Erste Fluggesellschaft für Frachtdrohnen bereit zum Abflug
Eine schnelle und zuverlässige Logistik ist gut für das Wirtschaftswachstum und eine bessere Lebensqualität der Bevölkerung. Im Prinzip ist die Luft die beste Möglichkeit für den Gütertransport, aber Luftfracht macht weltweit nur 1 % des Güterverkehrs aus. Der Hauptgrund sind die Kosten für den Aufbau und Betrieb traditioneller Flugzeuge und der Infrastruktur. Das Dronamics-Team hat hier eine Marktchance erkannt und Drohnentechnologie genutzt, um erste grenzüberschreitende Frachtlieferungen auf der mittleren Meile anzubieten. „Wir sind der Auffassung, dass alle Zugang zu schneller und zuverlässiger Logistik haben sollten. Mit unseren Frachtdrohnen können Gemeinden und Unternehmen einsteigen, die bisher keine Luftfracht nutzen“, sagt der Projektkoordinator Svilen Rangelov, Mitgründer und Geschäftsführer des Projektträgers Dronamics.
Fliegende Lieferwagen
Als kapitalintensive und streng regulierte Branche sind Innovationen in der kommerziellen Luftfahrt schwierig. Daher sind die meisten neuen Flugzeuge Iterationen bestehender Konstruktionen. Das Dronamics-Team hat diesen Trend durchbrochen und eine neue Art ferngesteuertes Flugzeug entwickelt, das nur für Fracht konzipiert und auf geringe Produktions- und Betriebskosten ausgelegt ist. „Drohnen sind eine großartige Möglichkeit, Waren effizienter zu transportieren, insbesondere in entlegenen und schwer zugänglichen Regionen. Mit ihnen kann die Lieferzeit stark reduziert werden, indem sie direkt zwischen zwei Punkten fliegen, die keine Frachtzentren sind. So ist die Fracht näher und schneller an Unternehmen und Verbrauchenden“, erklärt Rangelov. Die meisten Drohnen tragen kleine Lasten und sind nur für die letzte Meile geeignet. Das Dronamics-Team hat Drohnen mit hoher Nutzlast und großer Reichweite für Fracht auf der mittleren Meile entwickelt. Diese von Rangelov als „fliegende Lieferwagen“ bezeichneten Drohnen können für Lieferungen zwischen europäischen Städten eingesetzt werden, die so weit wie Sofia in Bulgarien und Porto in Portugal auseinanderliegen. „Unser Frachtflugzeug mit 16 Meter Spannweite, das Black Swan, kann bis zu 350 kg oder 3,5 Kubikmeter über bis zu 2 500 Kilometer transportieren. Dabei sind nur 400 Meter zum Starten und Landen notwendig. Es ist somit für die 50 000 kleineren Regionalflughäfen und Flugplätze weltweit geeignet“, berichtet Rangelov. „Im Vergleich zur traditionellen Luftfracht bietet unsere Lösung bis zu 80 % Zeit- und 50 % Kostenersparnis. Durch die kurze Reisedistanz und den sparsamen Kraftstoffverbrauch werden auch bis zu 60 % der CO2-Emissionen eingespart.“ Derzeit sind die Drohnen mit den Rotax-Propellermotoren ausgestattet, die in der Luftfahrt üblich sind. Dronamics arbeitet aber auf den Tag hin, an dem nachhaltigere Alternativen wie wasserstoffbetriebene Motoren realistisch sind. Das Black Swan wird in einem Cockpit am Boden von Pilotinnen und Piloten mit Erfahrung in der Routenplanung und im Risikomanagement gesteuert. Die meisten Flüge sind vorgeplant, sodass der Betrieb nur überwacht und im Notfall eingegriffen wird. Das Black Swan wird seit 2017 getestet, zunächst mit Modellen im Viertelmaßstab und Avioniksystemen, die Flugzeugen in Originalgröße nachempfunden sind. Anschließend werden größere Prototypen entwickelt, getestet und optimiert. Mit den Mitteln des Europäischen Innovationsrats (EIC) konnte das Dronamics-Team ein fortlaufendes Testprogramm des Flugzeugs in Originalgröße durchführen. Bald kommt eine dritte und kurz danach vierte Iteration des Black Swan, das am Forschungs- und Entwicklungszentrum von Dronamics in Sofia konstruiert und gebaut wird.
Der erste europäische Drohnenhafen
Dronamics ist Technologiehersteller und Fluggesellschaft in einem und verkauft Kapazitäten in Frachträumen, die auf Pakete aus dem elektronischen Handel und schnelllebige Konsumgüter sowie zeitkritische Lieferungen wie Pharmazeutika oder verderbliche Produkte optimiert sind. Zunächst wurde mit der bestehenden Infrastruktur gearbeitet, doch das Team steht kurz vor der Einrichtung des ersten europäischen Drohnenhafens. Details werden demnächst veröffentlicht. „Letztendlich wollen wir weltweit Drohnenhäfen als Frachtzentren einrichten, insbesondere für Regionen, die aufgrund der Geografie und Infrastruktur unterversorgt sind, darunter die 20 Millionen Menschen, die auf Inseln in Europa leben“, ergänzt Rangelov. Dronamics konnte als erste Frachtdrohnenfluggesellschaft Flugzeugtypencodes der International Air Transport Association (IATA) und der International Civil Aviation Organization (ICAO) erhalten und hat somit den gleichen Stand wie traditionelle Fluggesellschaften. Die Drohnen fliegen im gleichen Luftraum und unterliegen den Verordnungen der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) und der Civil Aviation Authority (CAA) vor Ort. Das Black Swan hat sogar ein eigenes Rufzeichen. „Wir sind der fortschrittlichste Akteur in diesem Bereich und verschaffen Europa einen seltenen Vorteil in dem strategischen Sektor fortschrittlicher Luftmobilität und -logistik. Das ist eine einzigartige Chance für Europa, zum Innovationsvorreiter zu werden“, schließt Rangelov.
Schlüsselbegriffe
Dronamics, Fracht, Luftfracht, Drohne, Logistik, ferngesteuertes Flugzeug, mittlere Meile, CO2-Emissionen, elektronischer Handel