Epilepsiewarnsystem für ruhigere Nächte
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung mit weltweit mehr als 50 Millionen Betroffenen. Die Sterblichkeit durch plötzlich auftretenden, ungeklärten Tod bei Epilepsie (engl. Abkürzung: SUDEP) liegt höher als 1:1 000. Zwar lässt sich Epilepsie meist medikamentös einstellen, etwa ein Drittel der Patienten spricht jedoch nicht auf Medikamente an. Dabei ist kaum vorhersehbar, ob und wann ein Anfall auftritt, was die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt. „Die Krampfanfälle bergen ein hohes Risiko, vor allem nachts“, erklärt Jeroen van den Hout, Projektkoordinator von NIGHTWATCH und Geschäftsführer von LivAssured in den Niederlanden. „Allein in den Niederlanden sterben 100 bis 200 Menschen jährlich an den Folgen eines epileptischen Anfalls im Schlaf.“ Dass jederzeit ein Anfall auftreten kann, sei für Betroffene eine enorme psychische Belastung, so Van den Hout. Auch die Eltern epilepsiekranker Kinder könnten nachts selten ruhig schlafen.
Erkennung nächtlicher Anfälle
Anfälle im Schlaf zuverlässiger voraussehen zu können, gab NightWatch den Anstoß für die Innovation. Van den Hout zufolge sind in den Niederlanden hauptsächlich zwei große Krankenhäuser auf die Versorgung von Epileptikern spezialisiert, sodass die Forschenden dort mit einer großen Patientenkohorte arbeiten konnten. Im Rahmen einer medizinischen Studie wurde den Probanden ein Prototyp des medizinischen Gerätes zur Verfügung gestellt. Entwickler war ein Konsortium aus beiden Krankenhäusern, der Universität Utrecht, der Stiftung der Epilepsieeinrichtungen in den Niederlanden und dem Spin-off-Unternehmen LivAssured. Das Armband am Oberarm misst Herzfrequenz und Bewegungen, erkennt schwere Anfälle in der Nacht und setzt in Sekundenschnelle eine Warnmeldung an das Pflegepersonal ab. Weiterhin erfolgt eine automatisierte Anpassung an das individuelle Verhalten des Patienten, um Fehlalarme zu vermeiden. Aus den in diesen Versuchen erfassten Daten wurde ein spezieller Algorithmus entwickelt, „mit dem die Erkennungsrate des Gerätes bei akuten nächtlichen Episoden bei über 90 % liegt“, so Van den Hout. „Damit übertrifft die Genauigkeit alle bisherigen Systeme.“
Vorbereitung des Markterfolgs
Seit das Produkt auf dem Markt ist, konnten etwa 1 000 Familien in den Niederlanden von der Innovation profitieren. Damit das System NightWatch möglichst vielen Patienten zur Verfügung stehen kann, initiierte LivAssured nun das viermonatige EU-finanzierte Projekt. „Momentan arbeiten wir mit einem Algorithmus, der noch nicht spezifisch angepasst ist“, erklärt Van den Hout. „Trotz hervorragender Detektion muss daher jeder den gleichen Algorithmus verwenden. Nun wollen wir die Nutzer in einzelne Gruppen unterteilen und dann für jede einen speziellen Algorithmus entwickeln.“ Der Forschungsgruppe zufolge könnte NightWatch nicht nur der nächtlichen Überwachung dienen, sondern auch Daten an das medizinische Personal liefern. „Derzeit können wir die Therapie noch nicht durch personalisierte Daten ergänzen“, fügt van den Hout hinzu. „Mit dem Aufbau eines entsprechenden Datenportals könnte dies für Patienten und Pflegepersonal jedoch bald von großem Nutzen sein.“ Schließlich zeigte das Projekt den Bedarf an weiteren Marktanalysen, um den weltweiten kommerziellen Durchbruch zu erzielen. Obwohl NightWatch als Medizinprodukt für den europäischen Markt bereits zertifiziert ist, muss für den US-amerikanischen Markt noch die Zulassung der FDA vorliegen. „Mit dem Alarmsystem für schwere nächtliche Episoden sollten so viele Patienten und Pflegekräfte wie möglich versorgt werden“, erklärt van den Hout. „Dies könnte nicht nur das Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit erhöhen und damit die Lebensqualität verbessern, sondern auch Pflegekosten senken – davon sind wir überzeugt.“
Schlüsselbegriffe
NIGHTWATCH, LivAssured, Epilepsie, SUDEP, Anfall, Algorithmus, nächtlich, epileptisch, Epileptiker, Krankenhäuser, Schlaf