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Das Unbehagen von Tieren ergründen

Was genau bedeutet Unbehagen bei Tieren? In einem neuen Kurzdossier wird eine standardisierte Definition als Schritt zu nachhaltigen und artgerechten Tierhaltung vorgeschlagen.

Als weithin anerkanntes Problem beim Tierschutz wird das Unbehagen von Tieren oft in Forschung, Gesetzen und ethischen Leitlinien erwähnt. Die Definitionen in diesen Dokumenten sind jedoch vage und uneinheitlich, sodass es schwierig ist, sie zu quantifizieren und ethische Standards in der Forschung anzupassen. Außerdem ist die objektive Beurteilung des Tierwohls kompliziert. Daher wurde über das EU-finanzierte Projekt PIGWEB ein Kurzdossier vorgestellt, in dem die Nutzung einer standardisierten Definition zu Unbehagen von Tieren für verschiedene Tierarten, Kontexte und Disziplinen befürwortet wird.

Definition von Unbehagen

Unbehagen zu erkennen ist ein wichtiger Schritt, um der Nachfrage nach nachhaltiger und artgerechter Tierhaltung gerecht zu werden. Mit dem Hausschwein als Modell haben die PIGWEB-Forschenden eine Konzeptanalyse durchgeführt und haben die folgende Definition für Unbehagen von Tieren formuliert: „Kurz- oder langfristiger affektiver Zustand, der sich aus körperliche, physiologische und/oder psychische Komponenten zusammensetzt und durch interne oder externe Reize ausgelöst wird. Er reicht von leicht bis schwerwiegend und kann mit anderen negativen affektiven Zuständen auftreten und führt zu Vermeidung oder dem Versuch, die Quelle des Unbehagens zu lindern.“ Das Team hat 118 relevante Dokumente auf Englisch analysiert, in denen Unbehagen bei Schweinen und anderen Tieren definiert und/oder gemessen wurde. Die Analyse wird in einer Studie in der Fachzeitschrift „Livestock Science“ im Detail beschrieben. Das Ergebnis ist, dass Unbehagen bei Tieren drei Bereiche umfasst: körperliches und sensorisches Unbehagen durch Wunden, Verletzungen, laute Geräusche, extreme Temperaturen oder strenge Gerüche; physiologisches Unbehagen durch Stoffwechselstörungen, Infektionen und Nährstoffmangel sowie psychisches Unbehagen wie Angst, Stress, Frustration oder Langeweile.

Drei Empfehlungen für mehr Tierwohl

Ausgehend von den Forschungsergebnissen wird im PIGWEB-Kurzdossier empfohlen, eine standardisierte Empfehlung von Unbehagen bei Tieren in Tierschutzgesetze einzubinden. Es heißt: „Das wird einheitliche Leitlinien für Tierwohluntersuchungen und ethische Prüfungen in der Tierforschung schaffen“ und „gleichzeitig eine globale Vergleichbarkeit der Forschung sicherstellen, wobei die Anpassung an konkrete Rechtskontexte in den einzelnen Regionen möglich sind“. In dem Dossier wird auch eine multidisziplinäre Task Force vorgeschlagen, die sich aus Sachverständigen zu Tiermedizin, Tierverhalten, Tierwohl und Ethik sowie Angehörigen der Justiz und der Politik zusammensetzt. Die Aufgabe der Gruppe wird sein, „die bestehende Forschung zu Unbehagen bei verschiedenen Tierarten zusammenzuführen und zentrale physiologische und verhaltensbezogene Indikatoren für Unbehagen festzusetzen“. Schließlich wird auch mehr Überwachung des Tierwohls durch validierte Metriken (z. B. Verhaltensbeobachtung und physiologische Marker) empfohlen, um Prüfungen zu standardisieren und transparente Berichterstattung zu Unbehagen in der Forschung zu ermöglichen. „Das sichert mehr Compliance mit ethischen Standards und fördert Tierschutz insgesamt.“ Um die Arbeit für mehr Forschung zu nachhaltiger Schweinezucht voranzubringen, hat das Team von PIGWEB (An infrastructure for experimental research for sustainable pig production) zwei neue Umfragen gestartet, mit denen Erkenntnisse von Nutzenden in Forschungsinfrastrukturen eingeholt werden. Mit diesen Erkenntnissen werden die Dienstleistungen der Infrastrukturen verbessert. Weitere Informationen: PIGWEB-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

PIGWEB, Schwein, Tier, Tierwohl, Unbehagen von Tieren, Viehbestand

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