Test von neuem Impfstoff gegen Tumorrezidive
Die meisten Krebstherapien zielen auf den Primärtumor ab, obwohl die Metastasierung als häufigste krebsbedingte Todesursache gilt, bei der sich Krebszellen vom Primärtumor absiedeln und umgebende Gewebe und Organe befallen. Da bislang kaum Strategien existieren, diese Metastasierungen zu verhindern, bleibt die Rezidivrate hoch und beträgt bei Prostatakrebs bis zu 40 %. „Aufgrund von Metastasenbildung liegt die Sterblichkeit in dieser Patientengruppe bei 90 %“, erklärt Alexandra Ellervik, Koordinatorin des Projekts RV001 vom Unternehmen RhoVac, Dänemark. „Eine effiziente Therapie gegen frühe Metastasen wäre ein Wendepunkt in der Behandlung von Prostatakrebs.“
Impfstoff gegen metastasierende Zellen
Ziel des EU-finanzierten Projekts RV001 war es, einer vielversprechenden Innovation auf diesem Gebiet zum Durchbruch zu verhelfen. Das dänische Biotechnologieunternehmen RhoVac entwickelte daher den Prototyp eines Impfstoffs gegen Krebsmetastasen, um das Rezidivrisiko deutlich zu reduzieren. Grundprinzip der Immuntherapie RV001 ist die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems, damit es metastasierende Krebszellen erkennen und eliminieren kann. „Diese Aktivierung wird durch RhoC-Antigen-Exposition erreicht“, wie Ellervik weiter ausführt. „Dabei wird das Immunsystem spezifisch auf Krebszellen geschult, die das (mit metastatischen Zellen assoziierte) Protein RhoC überexprimieren.“ Da die aktivierten T-Zellen nur bei einer Überexpression von RhoC angreifen, werden gesunde Zellen vom natürlichen Abwehrsystem des Körpers verschont. „Unser Ansatz war nun, RV001 unmittelbar nach der Entfernung des Primärtumors einzusetzen, um die Bildung und Ausbreitung metastasierender Krebszellen auf andere Organe und Gewebe zu verhindern“, sagt Ellervik.
Erprobung des Impfstoffprototyps in klinischen Studien
Das EU-finanzierte Projekt RV001 baute auf vielversprechenden präklinischen Ergebnissen auf. Es wurden umfassende klinische Studien in fünf europäischen Ländern mit insgesamt 180 Erkrankten durchgeführt. „Wir wollten beweisen, dass gegen Metastasierung geimpft werden kann, da der medizinische Bedarf hier so ausgesprochen hoch ist.“ Und doch konnte die Projektgruppe die gewünschten klinischen Ergebnisse nicht erbringen, denn obwohl die erwartete Immunantwort eintrat, wurden die klinischen Endpunkte nicht erreicht. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten während der Studie nicht auf.
Neue Wege in der Tumortherapie
Für Ellervik spiegelt das Projekt die Realität klinischer Studien wider. „In dieser Phase II liegt die Erfolgsrate onkologischer Studien bei etwa 50 %“, ergänzt sie, „und auch über die anschließende klinische Phase III kommen nur 70 % hinaus.“ Wie Ellervik fortführt, waren die EU-Finanzmittel nicht nur eine wesentliche finanzielle Unterstützung, sondern auch ein Qualitätssiegel für Projekt und Unternehmen sowie Aktionäre, die die Studie zum Großteil finanziert hatten. Schließlich seien auch wichtige Impulse für die Zukunft mitgenommen worden. „Vielleicht könnte dann eine ähnliche Behandlung entwickelt werden, die mehrere immunonkologische Therapien kombiniert und so die Behandlungserfolge bringt, auf die wir es eigentlich abgesehen hatten.“ Letztlich seien die RV001-Studien ein weiterer wichtiger Schritt auf der Suche nach wirksamen, machbaren Krebstherapien. „Und so leistete das Projekt seinen Beitrag zu diesem viel größeren Ziel“, berichtet Ellervik.
Schlüsselbegriffe
RV001, Krebs, Prostata, Metastasen, Impfstoff, klinisch, T-Zellen, RhoC