Skip to main content
European Commission logo
Deutsch Deutsch
CORDIS - Forschungsergebnisse der EU
CORDIS
CORDIS Web 30th anniversary CORDIS Web 30th anniversary

Neurophysiological correlates of bilingual advantage and its contribution to cognitive reserve

Article Category

Article available in the following languages:

Sprachenlernen zur Prävention von Alzheimer-bedingten Schäden im Gehirn

Neuere Forschungen enthüllen Zusammenhänge zwischen Zweisprachigkeit, kognitiver Reserve und Hirnfunktion im fortgeschrittenen Alter.

Schätzungen gehen insgesamt davon aus, dass etwa 10 % der über 65-Jährigen von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind, und da diese Tendenz zunimmt, könnten es bei den über 85-Jährigen sogar bald bis zu 33 % sein. Die Forschung befasst sich daher intensiver mit der sogenannten kognitiven Reserve, d. h. den im Lauf des Lebens erworbenen Fähigkeiten. „In der Regel lässt sich diese Reserve durch kognitive Stimulation trainieren. Kognitive Fähigkeiten können durch Erwerb weiterer Bildungsabschlüsse, berufliche Tätigkeiten, die Verantwortung und Urteilsvermögen erfordern, körperliche Bewegung, soziale Interaktion oder neue Kompetenzen wie das Erlernen eines Musikinstruments oder einer neuen Sprache gefördert werden“, erklärt Jesús Cespón, Postdoktorand am Baskischen Zentrum für Kognition, Gehirn und Sprache. Die Arbeit von Cespón wurde im Rahmen des Projekts BILINGUALPLAS über die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen unterstützt, wobei der Schwerpunkt hier auf dem Erlernen einer neuen Sprache lag. Geklärt werden sollte die Frage, „ob Zweisprachigkeit das kognitive System stärken kann, um die durch die Alzheimer-Demenz im Gehirn entstandenen Schäden zu kompensieren.“

Messbare Ergebnisse: Zweisprachigkeit zur Förderung der kognitiven Reserve

Theoretische Modelle gehen davon aus, dass ein Mensch, der zwei oder mehr Sprachen spricht, in einem Gespräch die jeweils nicht benutzte Sprache geistig „ausblenden“ muss. Zwei- und mehrsprachige Personen schalten zudem immer wieder zwischen den Sprachen um, um einen bestimmten Sachverhalt sprachlich dem Kontext anzupassen. Tägliches Üben trainiert dabei die sogenannten exekutiven Hirnfunktionen, d. h. die Anpassung des eigenen Verhaltens an Umweltveränderungen. Dies zeigt sich darin, dass diese Menschen bei kognitiven Aufgaben wie den Stroop- und Simon-Verfahren besser abschneiden. Um diesem Zusammenhang nachzugehen, wurden 60- bis 80-Jährige aus der Umgebung von San Sebastian für Laborexperimente an dem spanischen Forschungszentrum rekrutiert. In der ersten Sitzung wurden mittels neuropsychologischer Untersuchung die Werte der kognitiven Reserve bestimmt und die kognitive Gesundheit bestätigt. In der zweiten Sitzung sollten die Teilnehmenden zwei Aufgaben lösen, während ein EEG (elektroenzephalographische Aufnahme) geschrieben wurde. Auf diese Weise wollte Cespón herausfinden, was geschieht, wenn das Gehirn zwischen zwei Aufgaben wechseln muss, denn zweisprachige Personen müssen im Kopf zwischen zwei Sprachen umschalten. „Unsere Testpersonen bekamen Simon-Aufgaben sowie die räumlichen Stroop-Aufgaben, die jeweils die exekutiven Funktionen des Gehirns fordern, etwa wie beim Autofahren oder Einkaufen. Dabei werden gegensätzliche Reaktionen erzeugt, und wie gut jemand in der Lage ist, zwischen beidem hin- und herzuschalten und möglichst schnell die richtige Lösung zu finden, gibt letzlich Aufschluss über die kognitive Leistungsfähigkeit des Gehirns.“

Je größer die kognitive Reserve, desto mehr Gehirnaktivität

Wie das Projekt zeigte, werden die Aufgaben von Personen mit hoher kognitiver Reserve genauer ausgeführt als wenn sie niedriger ist. „Ereignisbezogene Gehirnpotenziale im EEG zeigten, dass kognitive Prozesse bei hoher kognitiver Reserve schneller einsetzen als bei niedriger“, erklärt er. Cespón fand auch heraus, dass sich die Gehirnaktivität bei höherer kognitiver Reserve verstärkt, was offenbar auf eine höhere Synchronisation zwischen den neuronalen Systemen zurückgeht.

Öffentlichkeitsarbeit und Information

Eine Hürde war wie so oft die Rekrutierung für die experimentellen Versuchsreihen. „Vor allem ist hier die Information der Öffentlichkeit durch entsprechende Kampagnen wichtig, denn im Allgemeinen ist das Interesse an Forschungsfragen groß. Ohne die Information, dass solche Versuchsreihen stattfinden, kann aber auch niemand teilnehmen“, merkt Cespón an. „In Interviews mit Zeitungen und lokalen Radiosendern konnten wir die Menschen über unsere Forschung zu diesem Thema informieren“, ergänzt er. Eine Hürde für das Projekt war die COVID-19-Pandemie, da potenzielle Probanden aufgrund ihres Alters als Risikopersonen galten, sodass die Forschungen erst jetzt weitergehen können. „Wir wollen 160 Personen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren rekrutieren und in vier Gruppen einteilen (niedrige gegenüber hoher kognitiver Reserve bzw. Einsprachigkeit im Vergleich zu Zweisprachigkeit). In diesen Versuchen wollen wir dann vollständige Antworten auf die Fragen von BILINGUALPLAS finden“, sagt er.

Schlüsselbegriffe

BILINGUALPLAS, Zweisprachigkeit, kognitive Reserve, Alzheimer, exekutive Kontrollaufgaben

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich