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Green revolution in Bookbinding for Print on Demand

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Kaltleimbindung kommt den Menschen, dem Geldbeutel und dem Planeten zugute

In der Buchbinderei werden in der Regel Verfahren mit Schmelzklebstoffen verwendet, die kostspielig und schädlich für Arbeitskräfte und Umwelt sind. Ribler Technology hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Kaltleim effektiv eingesetzt wird.

Die Bindung von Büchern hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert. So werden Seiten fast immer mittels Schmelzklebstoffen oder Polyurethan (PUR) gebunden. Da diese Methoden auf Temperaturen von 130 bis 200 °C angewiesen sind, machen sie jedoch teure (mindestens 50 000 EUR) Spezialgeräte erforderlich. Bei dem Verfahren mit Schmelzklebstoffen kommt noch hinzu, dass eine große Menge an Energie verbraucht und CO2 produziert wird, weshalb es nicht nur teuer sondern auch umweltschädlich ist, wobei die giftigen und teilweise krebserregenden Dämpfe eine Gefahr für die Gesundheit der Angestellten darstellen. Außerdem entstehen durch das Verfahren hohe Reinigungs- und Arbeitskosten. Als Alternative verwendete das EU-finanzierte Projekt Ribler Technology die (sehr selten angewandte) Kaltleimtechnologie, mit der Papier bei Raumtemperatur mit geringem Energieaufwand verklebt werden kann. Auf diese Weise reduzierte Ribler Technology den Klebstoffverbrauch um 80 % und den Papierverbrauch um 5 %. Die EU-Finanzierung ermöglichte es dem Projekt außerdem, Tests zur Weiterentwicklung eines Prototyps durchzuführen. Das computergestützte Design wurde im vergangenen Jahr vollendet und der Prototyp, der drei bereits patentierte Komponenten enthält, soll diesen Sommer fertiggestellt werden.

Abstimmung von Maschine und Chemie

Das sechsstufige Ribler-Verfahren umfasst die Faserfreilegung, die Auftragung eines Aktivators, eine spezielle Kaltleim-Düse zum Leimauftrag ohne Ventil und die Anbringung einer speziellen Abdeckung. Es wurde entwickelt, um die bisherigen Nachteile von Kaltleim zu überwinden. Denn da Kaltleim zu über 50 % aus Wasser besteht, muss er zunächst trocknen, um aushärten zu können. Mithilfe der Faserfreilegung gelang es Ribler, eine bis zu 450 % größere Auftragsfläche als bei unaufgerauhten Papierrücken zu erreichen, da der Aktivator die Papierpolarität so verändert hat, dass der Leim in die Faserstruktur eindringen konnte. Darüber hinaus benötigt das System im Vergleich zu Verfahren mit Schmelzklebstoffen nur 20 % der Klebstoffmenge, wobei der geringere Wasseranteil auch eine kürzere Aushärtezeit bedeutet. Da beim Ribler-Kaltleimverfahren keine Ablagerungen entstehen, muss der Leim auch nicht ständig umgewälzt werden, was zusätzliche Einheiten und viel Energie erfordert. „Wenn die Klebkraft für Spezialpapiere angepasst werden muss, kann der innere Zusammenhalt und die Elastizität des Kaltleims schnell manipuliert werden, um eine unerreichte Beständigkeit und Flexibilität zu erzielen. Kein anderer Hersteller bietet diesen Vorteil der Abstimmung von Maschine und Chemie“, erklärt Georg von Massenbach, Geschäftsführer von Ribler. Insgesamt ist die Herstellung von Schmelzklebstoff bis zu 30 % teurer als das Kaltleimverfahren der aktuellen Ribler-Technologie. Da Ribler Technology umweltfreundliche Rohstoffe verwendet, kann der entstehende Abfall zudem ohne zusätzliche Reinigung im Hausabwasser entsorgt werden. Durch die Erprobung von Komponenten konnten Verbesserungen bei den Buchpositionierklemmen, den Düsen, der Klebstoffmischung sowie im Umgang mit frisch gebundenen Büchern erreicht werden. „Nach den Versuchen haben wir die Maschine komplett umgestaltet und dabei auf Geschwindigkeit, Automatisierung und Ergonomie gesetzt. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere ursprünglichen 100 Bücher pro Stunde mit unserem neuen ‚Modell 200‘ auf 200 verdoppeln können“, so von Massenbach.

Erweiterung der Ribler-Familie

Für Buchbindereien wird Ribler Technology die Produktionsgeschwindigkeit verbessern, den Kauf von Ausrüstung und die Materiallogistik reduzieren und gleichzeitig den Zugang zu neuen Märkten und Kunden ermöglichen. Aber der vielleicht größte Nutzen entsteht für die Umwelt und die Arbeitskräfte, da weniger Materialien benötigt werden und weniger Abfälle anfallen sowie weniger Energie verbraucht und CO2 ausgestoßen wird. Derzeit sind zwei Ribler-Maschinen auf dem Markt erhältlich: Das Modell 50 (das kleinste mit manueller Bedienung) und der Ribler Notepadder (für die Bindung von Notizblöcken, Formularen und Abreißkalendern). Noch in diesem Jahr soll außerdem ein drittes Modell, das Modell 200 für Hardcover-Bindungen, auf den Markt kommen. Ribler Technology richtet sich an verschiedenste Buchbindereien, von kleinen manuellen bis hin zu größeren industriellen Bindereien. Die Einnahmen werden sowohl durch Maschinenverkäufe als auch durch Instandhaltung, Ersatzteile und die Lizenzierung von Kernprodukten für Maschinen von Drittanbietern erwirtschaftet.

Schlüsselbegriffe

Ribler Technology, Buchbinderei, Bindung, Leim, Schmelzklebstoff, Papier, Klebstoff, Abfall, Umwelt

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