Kontrolle entzündungsfördernder Immunzellen durch reaktive Sauerstoffspezies
Dabei waren die Ziele des Projekts REDOXIT durchaus ehrgeizig: einerseits sollte der Wissenstransfer zwischen drei europäischen Universitäten und Redoxis AB, einem Biotechnologie-Unternehmen in Lund, Schweden, koordiniert werden. Zum anderen sollten neue Ansätze zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und systemischem Lupus erythematodes präsentiert werden.
Forscherausbildung und neue Therapieansätze
Der Fokus des Marie-Skłodowska-Curie-Projekts lag darauf, wissenschaftliche und soziale Kompetenzen der Forschenden zu fördern, um berufliche Perspektiven in der wettbewerbsintensiven und multidisziplinären Industrie von heute zu verbessern. „Bei ihrem Einsatz in der Industrie wurden technische und innovationsrelevante Kompetenzen der Forschenden geschult, und im kommerziellen Bereich begleiteten sie Aktivitäten durch informelle Hospitation“, erklärt Projektkoordinatorin Helen Griffiths, Professorin für Biomedizin an der Universität Surrey. „Die wissenschaftlichen Forschenden von heute müssen vielseitig sein. Sie sollen nicht nur wichtige Laborexperimente konzipieren und durchführen, sondern auch nachvollziehen, wie durch Forschung geistiges Eigentum geschaffen und Wissenschaft effektiv kommuniziert wird“, fährt sie fort. „Eines der Ergebnisse, auf die wir besonders stolz sind, ist die Förderung von Nachwuchsforschenden durch dieses Projekt“, so Griffiths. Fünf der acht Forschenden erwarben entsprechende höhere Abschlüsse, wobei die Zusammenarbeit wesentlich zu ihrem Erfolg beitrug. Drei der Nachwuchsforschenden sicherten sich zudem bereits Positionen in der Industrie. Ein wissenschaftlicher Erfolg war die Entwicklung zweier neuartiger chemischer Substanzen zur Behandlung von Arthritis und Lupus erythematodes, die bereits an Versuchsmodellen Wirksamkeit zeigten. Sie verändern das Verhalten einer Entzündungszelle Neutrophile bzw. weiße Blutzelle so, dass die Entzündung aufgelöst wird. „Zudem identifizierten wir neue Proteinziele, um Effekte von Redox-Verbindungen zu messen. Die daraus entwickelten Oxidantien verändern die Aktivität von Membranproteinen und verhindern die weitere Aktivierung von Immunzellen“, fügt Griffiths hinzu.
Rekrutierung weiteren Forschungspersonals
Eine der größten Herausforderungen war, Personal zu bekommen, das nach Beantragung der Förderung fast fünf Jahre vor Projektende für den Austausch zur Verfügung steht. Die meisten Promotionen dauern vier Jahre, sodass Studierende, die zum Projektbeginn dabei waren, nicht bis zum Ende anwesend waren. „Um das später eingestellte Personal zum Projektende hin in das Austauschprogramm aufnehmen zu können, hatten wir auf eine Verlängerung gehofft, damit auch Spätankömmlinge teilnehmen können,“ erläutert Griffiths. Leider standen die Programmregeln dem entgegen, sodass REDOXIT den Umfang der geplanten Arbeiten reduzieren musste.
Perspektiven im Kampf gegen Entzündungserkrankungen
Erfreulicherweise können die Forschungspartner im Rahmen des neuen Projekts NeutroCure gemeinsam weiterforschen. „In unserem nächsten Projekt unter Leitung der Universität Erlangen werden wir erstmals versuchen, eine bahnbrechende Lösung zur kontrollierten Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) zu finden, um überschießende Entzündungsreaktionen gezielt zu behandeln und unerwünschte Nebenwirkungen zu minimieren“, erläutert Griffiths. An NeutroCure sind sechs europäische akademische Partner und ein KMU für die Kommerzialisierung der neuen Medikamente beteiligt. Griffiths umreißt ihre Vision neuer technischer Errungenschaften in diesem und ihrem nächsten Forschungsprojekt: „Wir erwarten von diesem Projekt einen großen positiven Einfluss und bislang unerschlossene Therapieansätze für schwere Krankheiten, die auf gestörter ROS-Produktion beruhen.“
Schlüsselbegriffe
REDOXIT, Entzündung, ROS, reaktive Sauerstoffspezies, Arthritis, Lupus, Neutrophile, Altern, chronische Krankheit