Luft- und Raumfahrt: Themenschwerpunkt 4 im Forschungsprogramm "Fokussierung und Integration der Gemeinschaft" ("Focusing and Integrating Community") 2002-2006.
Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat die herausragende Stellung Europas in der Luftfahrttechnik und -industrie sowie bei der Eroberung des Weltalls einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zu Wirtschaftswachstum und -entwicklung geleistet. Hervorragende Leistungen in Luft- und Raumfahrt können zur Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze, zur Verbesserung der Handelsbilanz sowie zu einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit anderer verwandter Wirtschaftsfelder führen.
Luft- und Raumfahrt sind zwar zwei voneinander unabhängige Bereiche, haben jedoch auch eine Reihe an Gemeinsamkeiten. Beide sind äußerst forschungsintensiv, haben lange Entwicklungszeiten und erfordern sehr hohe Investitionen.
Der harte Wettbewerb, die strategische Bedeutung sowie immer strengere Umweltbestimmungen machen erforderlich, dass sich die EU für die stärkere Förderung ihrer technischen Höchstleistungen einsetzt. Dies geschieht durch die Konsolidierung und Konzentration der FTE-Aktivitäten.
Die Planung der Luftfahrtforschung erfolgt in Abstimmung mit einem Strategischen Forschungsplan (Strategic Research Agenda - SRA), dem alle Beteiligten auf europäischer Ebene in Zusammenarbeit mit dem neuen Beirat für Luftfahrtforschung in Europa zustimmen müssen. Dies gilt auch für die Planungsgrundlage der nationalen Programme.
Dies wird zu einer besseren Komplementarität und Kooperation zwischen den nationalen Aktivitäten und denen der Gemeinschaft in diesem Bereich führen. Als Bezugspunkt für die Planung der Raumfahrtforschung dient die europäische Raumfahrtstrategie. Ziel ist, wichtige Schlüsselfiguren bei Projekten von gemeinsamem Interesse zusammenzuführen. Auch bei FTE-Projekten anderer Träger, wie zum Beispiel von Weltraumorganisationen, Eurocontrol und der Industrie, wird eine enge Zusammenarbeit zugesichert. Darüber hinaus sollen diese Initiativen durch die Anwendung zutreffender Vertragsartikel unterstützt werden.
Der Themenschwerpunkt 4 "Luft- und Raumfahrt" hat die Integration der Forschungsanstrengungen in der EU zum Ziel. Dadurch soll die Position der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie angesichts des immer stärker werdenden weltweiten Wettbewerbs gestärkt werden. Darüber hinaus soll das Forschungspotential der Mitgliedsstaaten, Beitrittskandidaten und anderer assoziierter Staaten auf diesem Gebiet noch besser ausgenutzt werden. Sicherheits- und Umweltschutzaspekte stehen ebenfalls im Vordergrund.
Die im Rahmen der Informationsgesellschaftstechnologien laufenden Gemeinschaftsaktivitäten umfassen folgende Bereiche:
_ Luftfahrttechnik
In ihrem Bericht "Vision 2020" unterstrichen führende europäische Luftfahrttechniker die Notwendigkeit der Optimierung europäischer und nationaler Forschungsanstrengungen und deren Konzentration auf eine gemeinsame Vision und einen strategischen Forschungsplan. Laut dieser Herangehensweise wird sich die Forschung auf vier Hauptbereiche konzentrieren. Die Forschungsaktivitäten umfassen kommerzielle Transportflugzeuge inklusive Systeme und Komponenten sowie On-Board und bodenstationierte Elemente von Managementsystemen für den Luftverkehr.
- Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zur Förderung der Bereiche des produzierenden Gewerbes - Flugwerke, Motoren und Ausrüstung - soll zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Reduzierung der Kosten für die Flugzeugentwicklung und der direkten Betriebsausgaben führen sowie zu verbessertem Komfort für die Passagiere. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf: Integrierten Entwicklungssystemen und -prozessen zur Realisierung des erweiterten Unternehmenskonzepts mit mehreren Produktionsstätten sowie zur Entwicklung intelligenterer Produktionstechniken; neue Flugzeugkonfigurationen, moderne Aerodynamik, Materialien und Strukturen, Motorentechnologien, mechanische, elektrische und hydraulische Systeme; verbesserte Bedingungen in der Kabine und Nutzung multimedialer Services zur Verbesserung des Komforts für die Passagiere.
- Verbesserung des Umwelteinflusses in Bezug auf Schadstoffausstoß und Lärmbelastung.
In Bezug auf Emissionen gilt das Ziel, die Kyoto-Richtlinien einzuhalten und durch die Verringerung des Treibstoffverbrauchs sowie des CO2- und NOx-Ausstoßes für einen Ausgleich der zukünftigen Erhöhung des Luftverkehrs zu sorgen. Die Forschung auf diesem Gebiet konzentriert sich auf emissionsarme Verbrennungs- und Triebkraftkonzepte, Motorentechnologien und verwandte Steuerungssysteme, widerstandsarme aerodynamische Konzepte, leichte Flugwerkszellen und hitzebeständige Materialien sowie verbesserte Betriebsabläufe bei Flügen.
Was die Lärmbelastung angeht, liegt der Schwerpunkt auf der Reduzierung der Belastung außerhalb des Flughafengeländes. Ziel ist die kurzfristige Reduzierung des Lärmpegels um 4-5 dB, langfristig sogar um 10 dB. Forschungsschwerpunkte in diesem Bereich sind: Motoren- und Triebwerkstechnologien, Aeroakustik zur Lärmreduzierung bei Flugwerken, moderne Lärmkontrollsysteme sowie neue Verfahrensweisen zur Flugabwicklung in der Nähe von Flughäfen.
- Verbesserung der Flugzeugsicherheit mit dem Ziel der kurzfristigen Reduzierung der Unfallquoten um die Hälfte, auf lange Sicht sogar um das Fünffache, um die Zunahme des Luftverkehrs auszugleichen. Bei den vorbeugenden Sicherheitsmaßnahmen liegen die Forschungsschwerpunkte auf: Erforschung systemischer Sicherheitsmodelle, bessere Fehlertoleranz bei Systemen und im bemannten Cockpit zur Erzielung einer besseren Kontrollierbarkeit von Situationen durch die Crew. Die Forschung zur Verringerung von Unfällen konzentriert sich auf verbesserte Materialien und Strukturen sowie auf moderne Sicherheitssysteme.
- Ein nahtlos integriertes europäisches Luftfahrtmanagementsystem soll zu einer erhöhten Betriebskapazität und -sicherheit des Luftverkehrssystems zur Nutzungsoptimierung von Luftraum und Flughäfen und letztendlich auch zur Verringerung von Flugverspätungen führen sowie die Initiative 'Einheitlicher Europäischer Luftraum' unterstützen. Forschungsschwerpunkte sind automatische Hilfsmittel an Bord und am Boden, Kommunikations-, Navigations- und Überwachungssysteme sowie Abwicklungsverfahren des Flugbetriebs, welche die Einführung neuer Konzepte, z.B. das Freiflugkonzept im zukünftigen europäischen Flugverkehrsmanagement-System, ermöglichen.
_ Raumfahrt
Ziel ist, zur Umsetzung der Europäischen Raumfahrtstrategie beizutragen. Dies soll insbesondere durch die gezielte Fokussierung der Anstrengungen mit den ESA- und Mitgliedsstaaten in wenigen gemeinsamen Aktionen von allgemeinem Interesse geschehen. Der besondere Schwerpunkt liegt auf Maßnahmen, die die Aktivitäten der Weltraumorganisationen ergänzen (Integration terrestrischer und Weltraumsysteme bzw. -dienste und Demonstration von End-to-End Services). Dazu zählen folgende Maßnahmebereiche:
- GALILEO: das Europäische Satellitennavigationssystem GALILEO wurde in einem gemeinsamen Unternehmen und in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation entwickelt und soll laut Plan bis 2008 voll funktionsfähig sein. Die Verfügbarkeit präziser Navigations- und Zeitplanungsmaßnahmen wird sich auf viele Bereiche auswirken. Der Aufbau der erforderlichen Kompetenz und des nötigen Fachwissens in Europa ist entscheidend, um diese aufstrebende Technologie so effizient wie möglich zu nutzen. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf: Entwicklung multisektoraler Konzepte, Systeme und Instrumente; Equipment für Nutzer, u.a. Empfänger, die auf die Bereitstellung akkurater Navigations- und Zeitangaben angewiesen sind; Verbreitung hochwertiger, zusammenhängender und nahtlos integrierter Qualitätsdienste in allen Umgebungen (in Städten, im Innen- und Außenbereich, zu Land, zu Wasser, in der Luft etc.), in Synergie mit anderen Dienstleistungen (Telekommunikation, Überwachung, Beobachtung etc.)
- GMES: Ziel ist die Erschaffung satellitenbasierter Informationsdienste durch die Entwicklung von Technologien, durch die der Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage überwunden werden kann sowie der Aufbau einer europäischen Überwachungskapazität für Umwelt und Sicherheit. Forschungsschwerpunkte dabei sind: Sensoren, Daten- und Informationsmodelle sowie Prototypen betrieblicher Dienstleistungen, die auf bestimmte Anforderungen eingehen (z.B. globale Umwelt, Landnutzung, Verwüstung von Landschaften, Katastrophenmanagement). Forschung, Datenerhebung, Montage und Qualifikationsmodelle zur Zusammenführung von Weltraum- und terrestrischen Daten in einem integrierten operationalen Informationssystem werden mit bereits bestehenden Satellitendaten arbeiten, welche beispielsweise durch Envisat, zukünftige Projekte von EarthWatch sowie andere Systeme zur Verfügung gestellt werden.
- Satellitentelekommunikation: Die Satellitenkommunikation sollte in den größeren Bereich der Telekommunikationssysteme integriert werden, insbesondere mit terrestrischen Systemen.
Die Forschungsaktivitäten im Rahmen dieses Themenschwerpunktes werden auch die aktuellsten Forschungen zu einem oder mehreren eng verwandten Themenbereichen umfassen. Dabei kommen zwei sich ergänzende Verfahrensweisen zum Einsatz: eine offene Methode sowie ein Initiativverfahren.
Die Kommission ist verantwortlich fur die Implementierung des spezifischen Programms. Dazu werden die Ziele, die wissenschaftlichen und technischen Hauptschwerpunkte sowie der Zeitplan fur die Umsetzung detailliert beschrieben. Das Arbeitsprogramm bezieht dabei relevante Forschungsaktivitaten in den Mitgliedsstaaten, assoziierten Landern sowie bei europaischen und internationalen Organisationen ein und wird bei Bedarf aktualisiert.
Die Kommission wird von einem Komitee unterstutzt. Die Kommission veroffentlicht regelma?ige Berichte zu den allgemeinen Fortschritten bei der Umsetzung des spezifischen Programms, unter anderem auch zu finanziellen Gesichtspunkten und zum Einsatz bestimmter Instrumente. Die Kommission organisiert au?erdem die unabhangige Uberwachung und Bewertung des Rahmenprogramms, die in Bezug auf die im Rahmen des spezifischen Programms durchgefuhrten Aktivitaten stattfinden soll.
Die neuen Instrumente des 6. Rahmenprogramms(Netz fuhrender Forschungsgruppen und Integrierte Projekte) kommen bei allen Themenschwerpunkten zur Anwendung. Dort, wo es angebracht ist, haben diese Mittel Prioritat. Der Einsatz spezieller gezielter Projekte und Koordinationsma?nahmen wird dabei aufrechterhalten. Neben Forschung und technischer Entwicklung konnen diese folgende Arten von Ma?nahmen umfassen, wenn sie einen speziellen Bezug zu den angestrebten Zielen aufweisen:
- Demonstration, Verbreitung und Nutzung;
- Kooperation mit Forschern und Forschungsteams aus Drittlandern;
- Personalentwicklung, dazu zahlt auch die Forderung der Aus- und Weiterbildung von Forschern; Entwicklung von Forschungseinrichtungen und Infrastruktur mit spezieller Bedeutung fur das entsprechende Forschungsprojekt; Forderung besserer Verbindungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Darunter fallt auch die Forderung von Frauen in der Wissenschaft.
Forschungsprojekte mit speziellen Zielen und Koordinationsanstrengungen konnen ebenso wie spezielle Forderma?nahmen im Geiste der "Hochleistungstreppe" zur Umsetzung von Themenschwerpunkten eingesetzt werden. Die Projektgro?e ist kein Ausschlusskriterium. Es wird sichergestellt, dass KMU und andere kleine Organisationen Zugang zu den neuen Instrumenten erhalten.
In bestimmten Fallen, in denen ein Projekt den Hochstbetrag der unter dem Rahmenprogramm erlaubten Co-Finanzierung bzw. einen allgemeinen Zuschuss erhalt, kann eine zusatzliche Forderung durch den Strukturfonds gewahrt werden. Im Fall einer Beteiligung von Organisationen aus assoziierten Kandidatenlandern kann unter denselben Bedingungen eine zusatzliche Forderung aus Vorbeitrittsmitteln gewahrt werden. Bei Beteiligung von Mittelmeer- bzw. Entwicklungslandern kann eine Forderung durch das MEDA-Programm und durch finanzielle Mittel aus der Gemeinschaftsentwicklungsbeihilfe in Betracht gezogen werden.
Bei der Ausfuhrung des Programms kann sich die Kommission auf technische Unterstutzung berufen. Unabhangige Experten werden 2004 eine Bewertung der Effizienz der drei neuen Instrumente bei der Ausfuhrung des sechsten Rahmenprogramms vornehmen(Netz fuhrender Forschungsgruppen, Integrierte Projekte und Artikel 185)
Bei der Durchfuhrung dieses Programms und bei den sich daraus ergebenden Forschungsaktivitaten mussen die ethischen Grundprinzipien beachtet werden. Dazu gehoren die in der Charta der Grundrechte der Europaischen Union festgelegten Prinzipien, unter anderem der Schutz der Menschenwurde und des Lebens, der Datenschutz sowie der Schutz von Tieren und Umwelt in Ubereinstimmung mit dem Gemeinschaftsrecht, zutreffenden internationalen Konventionen und Verhaltenskodices. Die Meinungen der Europaischen Beratergruppe fur Fragen der Ethik in der Biotechnologie (1991-1997) sowie die Meinung der Europaischen Gruppe fur Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien (seit 1998) werden ebenfalls Beachtung finden.