Neuer Ansatz bei der Entwicklung billigerer, schneller wirksamer und besserer Medikamente und Therapien
Da der Kostenaufwand bei der Markteinführung eines neuen Arzneimittels immer noch enorm ist, besteht dringender Bedarf an billigeren und wirksameren Medikamenten und medizintechnischen Geräten. Voraussetzung hierfür ist, Entwicklungszeiten zu verkürzen und wichtige Entscheidungsfindungen früher in den Entwicklungsprozess zu integrieren, um spätere Fehler in der teureren klinischen Entwicklung zu vermeiden. Das Projekt FutForm widmete sich der Problematik und integrierte neue, von der Fakultät für Pharmazie der Universität Nottingham (UoN) entwickelte analytische Methoden in die industrielle Produktion künftiger pharmazeutischer Prozesse und Therapien. „Erreicht wurde dies über ein Kooperationsprogramm für den Austausch von Forschungspersonal mit drei KMU (kleinen und mittleren Unternehmen)“, erklärt Projektkoordinatorin Stephanie Allen.
Sektorübergreifende Zusammenarbeit
Alle KMU entwickelten Technologien der innovativen Frühphase im pharmazeutisch-medizinischen Bereich, u. a. Enzympräparate zur Optimierung von Zellisolationsverfahren (Abiel srl, Italien), Formulierungsplattformen für Nanopartikel als Träger oraler und topischer Arzneimittel (Inovapotek Lda, Portugal) sowie Hydrogelpräparate zur Behandlung und Regeneration von Knorpelschäden (Hy2Care B.V. Niederlande). Über die Initiative hatten 20 Forschende im Rahmen eines Auslandspraktikums über die eigene Fachrichtung hinaus die Möglichkeit, neue Qualifikationen zu erwerben und sektorübergreifend zu arbeiten. Forschende, die in KMU entsendet wurden, gewannen zudem Einblicke in die Kommerzialisierung wissenschaftlicher Forschung. In ähnlicher Weise wurden Forschenden, die von den KMU an die Universität Nottingham entsendet wurden, neueste analytische Methoden vermittelt, die im eigenen Unternehmen nicht verfügbar sind. So lag der Fokus bei der Projektzusammenarbeit mit Abiel u. a. auf optimierten Protokollen für zelluläre Isolate aus Leber und Herz (Hepatozyten bzw. Kardiomyozyten), um Wirkstoff- und Toxizitätsanalysen effizienter zu machen. „Mit der Produktion rekombinanter Kollagenasen bot sich die Möglichkeit, eine spezifische, optimierte Formulierung für den jeweils spezifischen Extraktionsprozess mit definierten Zellextraktionsprotokollen zu entwickeln. Die Qualität der Zellextraktion wurde von Forschungsprojekten bewertet, die an der Universität Nottingham betreut wurden und sich mit Sensorentwicklung und Arzneimittelabgabe befassen“, erklärt Allen.
Innovative Technologien
Schwerpunkt von Inovapotek waren neue Nanopartikelformulierungen und Herstellungsverfahren für die orale Arzneimittelabgabe, für die das Projekt tragfähige Strategien zur Fertigung maßgeschneiderter Nano- (und Mikro-)Partikel entwickelte. Die Forschenden optimierten Protokolle und bewerteten die Eignung von Partikeln als Applikationssystem für die orale Gabe von Insulin. Weitere Ergebnisse sind neue Protokolle zur Herstellung und Bewertung von Nanopartikeln für die transdermale Applikation von Wirkstoffen sowie innovative Ansätze zur Bewertung der Abgabe von Wirkstoffen über die Haut (z. B. Vitamin C). Im Fokus der Aktivitäten von Hy2Care stand die Forschung an Schlüsselkomponenten der injizierbaren Hydrogel-Technologie zur Regeneration von Knorpelgewebe, wie Stephanie Allen erklärt. „So konnte etwa die Formulierung verbessert werden, indem die Polymerkomponenten und Quervernetzung des Enzyms genauer charakterisiert wurden. Kürzlich wurde vor allem untersucht, wie die Anwesenheit von Zellen die Eigenschaften des Hydrogels verändern kann“, kommentiert sie. Durch die Beteiligung der UoN und industrieller KMU-Partner hatte das Konsortium Zugang zu einer großen Bandbreite innovativer Forschungen, erstklassiger Infrastruktur und Expertise in der pharmazeutischen Entwicklung und Analyse. „FutForm entwickelte mehrere unterschiedliche Technologien, und alle fördern fortschrittliche analytische Ansätze für die dringend nötige schnellere Kommerzialisierung“, schließt Stephanie Allen.
Schlüsselbegriffe
FutForm, Pharmazeutik, Forscher, Arzneimittelabgabe, KMU, Nanopartikel, Hydrogel, Forscheraustausch, Zellextraktion