Welche Dynamik versteckt sich in der beruflichen Praxis der Lehrkräfteausbildung?
„Ausgehend von solchen Annahmen war es weder kaum notwendig, die Kenntnisse und Fähigkeiten genauer zu untersuchen, die in diese Arbeit einfließen, noch schien es nötig, die Entwicklung solcher Kenntnisse und Fähigkeiten mit gezielten Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung oder Einführung zu fördern“, so Eline Vanassche, die Marie-Skłodowska-Curie-Stipendiatin, die das EU-finanzierte Projekt ReconTEP ins Leben gerufen und geleitet hat. „Den Beteiligten wird inzwischen klarer, wie wichtig die Arbeitsweisen und Persönlichkeiten in der Lehrkräfteausbildung letztlich für die Qualität in unseren Schulen sind und wie dringend sich diese wichtige Rolle auch darin widerspiegeln sollte, das Forschungsarbeiten sich direkt mit ihnen befassen.“ Genau das griff das Projekt auf und konzentrierte sich auf die Fachkompetenz dieser Lehrkräfte, also im weitesten Sinne aller Fachkräfte, die an der grundlegenden Vorbereitung von angehenden Lehrerinnen und Lehrern beteiligt sind. ReconTEP sollte klären, welche Fachkompetenzen die Lehrkräfteausbildung abdeckt, und betrachtete dazu deren tatsächliche Anwendung in der Praxis. „Dabei ging es nicht bloß darum, das Handeln der Lehrkräfte eins zu eins abzubilden und aufzuzeichnen, sondern zu erforschen, warum diese Lehrkräfte sich so verhalten und wie das die Lernmöglichkeiten der angehenden Lehrerinnen und Lehrer beeinflusst“, ergänzt Vanassche.
Lehrkräfteausbildung: komplex und widersprüchlich
Das Forscherteam entwickelte für die Untersuchung der Fachkompetenzen einen neuartigen theoretischen Rahmen mit einem darstellenden Ansatz. „Beim Konzept der ‚dargestellten Fachkompetenz‘ steht das im Mittelpunkt, was die Lehrkräfteausbilder tatsächlich praktisch zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einem bestimmten Kontext tun“, erklärt Vanassche. „Dabei geht es um jene Fachkompetenz, wie sie in der Lehrkräfteausbildung bei beruflichen Tätigkeiten vorgeführt wird, im Gegensatz zum Konzept der Fachkompetenz wie sie von beruflichen Normen oder Erkenntnissen der jüngsten Forschung vorgegeben wird.“ Und sie fährt fort: „Diese Neuinterpretation von Fachkompetenz ist nicht nur eine starke theoretische und analytische Ressource für die Erforschung der Fachkompetenz von Lehrkräfteausbildern, sondern liefert auch ein nützliches, praktisches Werkzeug für die Weiterbildung dieser Berufsgruppe.“ Praktisch umgesetzt und getestet wurde der vorgeschlagene theoretische Rahmen anhand vergleichender Fallstudien, in denen die Aussagen und Erfahrungen von elf in der Lehrkräfteausbildung Tätigen, 22 angehenden Lehrerinnen und Lehrern und 22 Schulmentorinnen und -mentoren zusammengetragen werden konnten. Bei Besuchen in der Schule von zwei Lehramtsstudierenden wurden durch Beobachtung der einzelnen in der Lehrkräfteausbildung Tätigen Daten gesammelt. Ergänzt wurden diese Beobachtungen dann durch ausführliche Befragungen aller Beteiligten sowie Analysen von Materialien wie zum Beispiel Bögen zur Unterrichtsevaluation oder schulinternen Dokumentationen.
In der Lehrkräfteausbildung weiterbilden – ungeahnte Kräfte freisetzen
„ReconTEP war ein wichtiger Meilenstein für die weitere Festigung dieses aufkeimenden Forschungsfelds, denn es lieferte Belege dafür, dass man nicht zwangsläufig – und nicht nur – eine gute Lehrkraft in der Grundschule oder der weiterführenden Schule sein muss, um selbst Lehrkräfte ausbilden zu können“, fasst Vanassche zusammen. Zudem hat das Projekt noch einmal betont, wie wichtig eine zielgerichtete berufliche Einführung und stetige berufliche Weiterbildung sind. „Indem ReconTEP zeigt, was diese Fachkompetenzen genau zu beinhalten haben, eröffnet es in der Lehrkräfteausbildung immense Möglichkeiten, potenzielle Probleme und Bedrohungen, die der wirksamen Arbeit dort entgegenstehen, zu strukturieren und zu verstehen, und gleichzeitig aktiv daran zu arbeiten, dass Fachkompetenzen noch verbessert werden.“ Die Ergebnisse fließen direkt in Initiativen ein, welche die in der Lehrkräfteausbildung Tätigen in der Erstausbildung sowie in der Weiterbildung dabei unterstützen, die Lehr- und Lernqualität an europäischen Schulen zu verbessern. Unterstützt wurde die Forschungsarbeit im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen.
Schlüsselbegriffe
ReconTEP, Lehrkräfte, Lehrkräfteausbilderinnen, Lehrkräfteausbilder, Lehramtsstudierende, , angehende Lehrerinnen und Lehrer, lehren, unterrichten, berufliche Weiterbildung, Fachkompetenz von Lehrkräften