Europas muslimische Minderheiten unter dem Druck der Verantwortlichkeit und sozialen Ausgrenzung
Das Projekt MUSLIM-NLNO NLNO (Muslims condemning violent extremism – An interdisciplinary analysis of public initiatives in the Netherlands and Norway 2001-2015), das von einem Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium (MSC) gefördert wurde, untersuchte die jüngsten Entwicklungen in öffentlichen Debatten in den Niederlanden und in Norwegen. Ziel war es, herauszufinden, „was Muslime motiviert, sich öffentlich gegen Gewalt im Namen des Islam auszusprechen, wie sie versuchen, ihre Botschaft durch verschiedene Medien zu vermitteln, und wie diese Aussagen in der Gesellschaft aufgenommen werden“, so die Stipendiatin Dr. Margaretha van Es. Die Forscherin betrachtete Archivmaterial und führte eine Mehrfachfallstudie durch, um die spezifischen Initiativen niederländischer und norwegischer Muslime im Zeitraum von 2001 bis 2016 eingehend zu untersuchen. Zwei Beispiele sind der große Protestmarsch gegen ISIS, organisiert von Muslimen in Oslo im August 2014, und die Social-Media-Kampagne #NietMijnIslam (#NotMyIslam), die nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo 2015 in Paris von fünf marokkanisch-niederländischen Freunden ins Leben gerufen wurde. Darüber hinaus führte Dr. van Es auch Interviews mit muslimischen Männern und Frauen, die aktiv an diesen Initiativen beteiligt waren. „Was dieses Projekt besonders innovativ machte, ist, dass es sich nicht nur auf die Diskurse und Praktiken konzentrierte, durch die Muslime von der dominierenden Mehrheit stigmatisiert und sozial ausgegrenzt werden, sondern auch auf ihre ‚Strategien des Widerstands‘: Wie versuchen Muslime, ihre Position zu stärken und Akzeptanz als gleichberechtigte Bürger zu finden?“, gibt sie an. Eine Antwort auf und Kritik an der Verantwortlichkeit Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich „Muslime viel häufiger gegen gewalttätigen Extremismus aussprechen, als in der öffentlichen Debatte allgemein anerkannt wird“, stellt die MSC-Stipendiatin fest. Ein besonders wichtiges Forschungsergebnis ist, dass Aussagen von Muslimen gegen gewalttätigen Extremismus oft als vielschichtige Kritik dienen, erklärt Dr. van Es. „Muslime ‚stellen‘ sich nicht nur gegen Extremisten, die Gewalt im Namen des Islam ausüben, sondern auch gegen stereotype Darstellungen des Islam als gewalttätige Religion in westlichen Gesellschaften und den unverminderten Druck auf Muslime, zu beweisen, dass sie friedliche und loyale Bürger sind.“ Interessanterweise hat das Projekt MUSLIM-NLNO auch einen Einfluss des Faktors Geschlecht auf die Interpretation von Aussagen von Muslimen gegen gewalttätigen Extremismus in der breiten Gesellschaft festgestellt. „Es scheint, dass Aussagen von Frauen zwar mehr Glauben geschenkt, aber dafür von Mitgliedern der dominierenden Mehrheit auch weniger Gewicht beigemessen wird, als Aussagen von Männern“, verrät Dr. van Es. Schließung einer Forschungslücke MUSLIM-NLNO hat durch die Thematisierung der Bemühungen von Muslimen, sich der sozialen Ausgrenzung zu widersetzen, eine neue und wichtige Perspektive in diesen wachsenden Forschungsbereich eingebracht. Dr. van Es betont zudem die Tatsache, dass „der überwiegenden Mehrheit der europäischen Muslime, die den gewalttätigen Extremismus nicht unterstützt, aber ständig Druck ausgesetzt ist, ihre Haltung zu klären und sich gegen den Terrorismus auszusprechen, wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.“ Die Projektergebnisse wurden aktiv verbreitet, um mehr Bewusstsein zu schaffen. Im Jahr 2017 wurde eine Konferenz zum Thema „Religious Minorities’ Self-Representations: Claims of Difference and Sameness in the Politics of Belonging“ ausgerichtet. Dies führte zu einer Reihe von Blog-Beiträgen von verschiedenen Konferenzteilnehmern, die auf einer Website von MUSLIM-NLNO-Projektmanagerin Prof. Birgit Meyer öffentlich zugänglich gemacht wurden. Im Jahr 2018 wurde ein Fachartikel im Journal of Muslims in Europe veröffentlicht, und weitere Artikel werden für zukünftige Veröffentlichungen vorbereitet. Um die allgemeine Öffentlichkeit zu erreichen, fand beispielsweise im Jahr 2018 in Utrecht eine Podiumsdiskussion in Zusammenarbeit mit verschiedenen niederländisch-muslimischen Jugendorganisationen statt. Während der Veranstaltung diskutierten vier Podiumsredner, wie sich ihr Kampf gegen Islamophobie mit verschiedenen anderen Kämpfen gegen Sexismus, Rassismus gegen Schwarze und Sektierertum unter Muslimen überschneidet.
Schlüsselbegriffe
MUSLIM-NLNO, gewalttätiger Extremismus, soziale Ausgrenzung, Gewalt, Terrorismus, Strategien des Widerstands, Islamophobie